– Eine Randbemerkung –
„Emmy wird heute in der Ludwigskirche getauft …“, schreibt Erich Mühsam am 14. Juli 1911 in sein Tagebuch und fährt fort: „Ihr ist das eine prächtige Sensation – und es ist allerliebst zu sehen, wie sich bei ihr der Entschluss, katholisch zu werden, so durchaus deutlich aus Neugier, Sentimentalität und Geilheit zusammensetzt.“
Wohl wegen dieser Notiz findet sich in Artikeln, Biographien und Vorträgen immer wieder die Behauptung, Emmy Hennings wurde katholisch getauft. Nein, wurde sie nicht.
Getauft wurde sie als Kind in der protestantischen Marienkirche zu Flensburg. Nach christlichem Verständnis ist die Taufe einmalig und kann weder aufgehoben noch wiederholt werden. Diese einmalige Unverbrüchlichkeit der Taufe hat ihren Grund in der zuverlässigen Zusage Gottes, die in der Taufe gefeiert wird. Zwar können sich Menschen von Gott trennen und einen anderen Weg gehen, nach christlichem Verständnis bleibt ein Mensch dennoch stets Geschöpf Gottes, so wie wir stets Kinder unserer Eltern bleiben, egal in welchem Verhältnis wir zu ihnen stehen.
Was aber geschah dann in München?
Emmy Hennings trat zum katholischen Glauben über. Das geht. Gläubige können ihre Konfession und damit ihr Verständnis der Dinge, sowie ihre Einstellung zum Glauben ändern. Dazu braucht es aber keine erneute Taufe. Die Zusage Gottes bleibt auch bei Veränderungen bestehen. Der Wechsel nennt sich Konversion. Richtig ist also, dass Hennings in München zum katholischen Glauben konvertiert ist.
Mühsam, als Sohn jüdischer Eltern geboren, wusste entweder nicht um diese Details oder sie interessierten ihn nicht. Vermutlich fand er seine possierlich formulierte Mixtur von Hennings Motivation zur Konversion (Neugier, Sentimentalität und Geilheit) amüsanter. Aber das ist ein anderes Thema.
Klaus Guhl
